Die Wunde unserer westlichen Kultur

Blog 24.4.2016

Sind wir innerlich verletzt?, stockphotos, Foto

Die Geschichte von Adam und Eva zeichnet den Beginn unserer ‹westlichen› Kultur. Laut Bibel stammen wir alle von Adam und Eva ab. Geschichtlich gesehen gab es vor 4000 v. Chr. viele heutige Kulturen noch nicht. Stimmen Sie zu, stimmst du zu, dass wir ‹westlich geprägten› Menschen uns im Umgang mit dem Leben und miteinander von anderen Erdenbürgern unterscheiden?

Die Allegorie von Adam und Eva zeigt, was wir damals zum Erwerb einer Erkenntnis eingegangen sind:

«Mann und Frau … werden sein wie ein Fleisch. Und sie waren beide nackt … und schämten sich nicht. … Da sprach das Weib zu der Schlange: … aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, … dass ihr nicht sterbet. Da spach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre, … weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren … Und Gott, der Herr, rief Adam und sprach zu ihm: … Wer hat dir's gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? … Und ich will Feinschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten … Da wies ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist, und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.»

[Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der deutschen Übersetzung von Dr. Martin Luther, Ausgabe 1912, Verlag Friedrich Bischoff]

Damals, in den Zeiten von Adam und Eva, ist etwas in uns zerbrochen, das bis heute nicht geheilt ist. Aus den beiden entzweiten Menschen ist unsere Kultur erwachsen, die der ‹hoch›zivilisierten Menschen, die sich in die ‹erste Welt› denken, die zweite leer und unausgesprochen lassen und um andere Gruppen von Menschen den Zaun der ‹dritten Welt› ziehen. Die Bewohner des Abendlandes, in dem die Sonne sich dem Untergang zuwendet, obwohl doch jeder Ort dieses wundervollen Planeten den Auf- und Untergang zugleich beherbergt. Die Gott einen männlichen Artikel gaben, Weiblichkeit in ihrer Weisheit und Kraft grausam verfolgten und sie in ihrer Sinnlichkeit zugleich hoch begehren. Hochzivilisiert, hochmütig und hochherrschaftlich anderen verbietend, was wir wie selbstverständlich herstellen und besitzen. Was liegt ‹hoch› im Körper? Wer sind Adam und Eva sinnbildlich?

Sie stehen für etwas, das ursprünglich in uns vereint war, Hand in Hand zusammenwirkte und seit dieser Zeit durch eine Kluft getrennt ist. Zwei Liebende, die bis zum Ende ihrer Tage nicht zusammenfinden können. Ein leidvolles Leben. Und zugleich hat der Graben uns einen Abstand zum Betrachten und Erkennen ermöglicht.

Unsere eigene äußere Welt ist derzeit stabil genug, um diese innere Wunde in uns zu sehen und zu heilen. Damit Frieden in uns und in weite Teile der Welt einkehrt. Eva ist unser Herz und Fühlen, Adam unser Kopf und Denken. Zur Zeit ist beides in uns wie getrennt. Prüfe es in unserem kollektiven Verhalten und auch in dir selbst; streiche, was dir erdacht erscheint, und hake ab, was für dich stimmig ist:

 

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Wir leben zumeist «aus dem Kopf und Denken heraus» und wissen und erfahren kaum, wie es ist, «aus dem Herzen heraus» zu leben.

 

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Wir wissen nicht, wozu die Gefühle da sind, wie Denken und Fühlen zusammenwirken, wozu das Denken das Fühlen braucht und das Fühlen das Denken.

 

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Wir reden viel ‹über› Fühlen und Denken und sind uns dabei nicht im Klaren, was ein reines Gefühl ist, was eine Emotion, was reines Denken ist und welche Ausdrücke unserer Sprache ein Gemisch aus Denken und Fühlen beschreiben.

 

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Von den sechs elementaren Empfindungen Angst, Wut, Freude, Leid, Traurigkeit und Liebe lehnen wir im kollektiven Denken vier als unerwünscht ab; die zwei anderen ersehnen wir.

 

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Wir unterdrücken gesellschaftlich den Ausdruck von Leid, indem wir es nicht als Gefühl anerkennen, überall Freude zeigen und das Empfinden von Leid als psychische Krankheit urteilen, die medikamentös behandelt wird.

 

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Wir versuchen willentlich, und damit aus dem Denken heraus, einige Gefühlsausdrücke nicht zu haben, anstatt sie wahrhaft zu empfinden.

 

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Wir erziehen unsere Kinder in den Schulen vor allem in das Denken hinein. Im Unterricht wird freies Denken zumeist geachtet, der freie Ausdruck der Gefühle jedoch unterdrückt.

 

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Wir werten Wut als ‹negative Emotion›, dabei ist ihr reiner Ausdruck (ohne den Anteil der tiefen Stimmung wie im Ärger oder Zorn) konstruktiv und bewegt uns dazu, Dinge zum Besseren für uns selbst und für andere zu wandeln. (Drehe das ‹W› in ‹Wut› und du erhältst den Mut.)

 

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Wir werten Traurigkeit ebenso als ‹negative Emotion›, dabei ist auch ihr reiner Ausdruck (ohne den Anteil der tiefen Stimmung wie im Kummer und in der Trauer) konstruktiv und bewirkt im Fließenlassen eine emotionale Reinigung.

 

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Wir umgeben uns mit Technik, die uns fast ausschließlich mit Sehen und Hören beschäftigt und damit ins Denken zieht. Wir glauben, dass wir Gefühle ‹mitgeliefert› bekommen, doch diese werden nicht übertragen – die Sendungen sind mentale Muster, die eigene innere Reaktionen hervorrufen.

 

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Wir haben unser Fühlen mit Konzepten umsponnen, die im Empfinden nicht erlebbar sind.

 

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Wir wissen zumeist, was wir wollen, und kaum, was wir wirklich brauchen.

 

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Viele heutige Beziehungen zwischen Mann und Frau sind wenig erfüllt und halten kaum ein Dutzend Jahre. Viele Männer wissen nicht, wie sie ihr Frau wahrhaft lieben können und viele Frauen sind dem Männlichen gegenüber enttäuscht.

 

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Viele sprechen heute schlecht vom Denken, werten es als Grund allen Übels, empfehlen die dauerhafte Stille im Denken und verherrlichen das Fühlen als Tor zur Seele.

 

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Viele fühlen sich besser, wenn das Denken still ist, und sehnen diesen Zustand herbei.

 

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Obwohl unzählige Bücher zum Denken geschrieben sind, beschreibt kaum jemand das Denken selbst und die Formen der Gedanken.

 

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Unser westliches Leben ist von Hast und Stress geprägt, was auf eine innere Zerrissenheit schließen lässt.

 

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Wir reden in der Öffentlichkeit und untereinander viel ‹über› andere Menschen und alles Mögliche, ohne dabei zumeist den anderen und uns selbst wahrhaft zu empfinden.

 

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Nur wenige besitzen den Mut, sich die eigene Stimmung einzugestehen und sie auch zu zeigen.

 

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Viele denken, dass Fühlen ein Denken ist. Dabei kann man Gedanken nicht empfinden und Gefühle innerlich weder hören noch sehen.

Ist etwas davon wahr?

Unsere Seele (umgangssprachlich weiblich und damit sinnbildlich Eva, die zum Apfel griff) ist die innere Zerrissenheit damals bewusst eingegangen, um eine Erkenntnis zu erlangen. Keine Kultur der Welt hat heute tiefer als wir erfahren, wie verloren das alleinige Denken macht. Kaum jemand ist dem Bewusstsein für Denken und Fühlen als eigene innere Geschehnisse so nah. Sobald wir unser Fühlen und Denken wieder in Liebe verbinden, wird unsere Hast, unser Verlangen, unsere Unerfülltheit und innere Zerrissenheit enden. Wir werden in uns selbst erkennen, was das Gute, Schlechte und Böse im Leben ist und die anderen Weltkulturen mit dieser Einsicht beschenken.

PS: Hast du je darüber nachgedacht, dass in der Geschichte von Adam und Eva ‹Gott› von Anfang an wusste, dass Adam nackt war, ihm diesen Gedanken jedoch vorenthielt? Dass er log, als er sagte, sie werden sterben, und die Schlange wahr sprach? Dass ein guter Vater seine Kinder nicht für etwas bestraft, das er in seiner Allwissenheit eigentlich sehen oder zumindest ahnen sollte?

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